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Neue Vogelwartin für Trischen
Trischen ist ein Paradies für Vögel. Im vergangenen Jahr wurden auf der Nordseeinsel vor Büsum 153 unterschiedliche Arten beobachtet. Wie viele es in diesem Jahr sind, soll die Geografin... mehrEigentlich sollte sie bereits dieses Wochenende als einsame Vogelwartin auf dem 180 Hektar großen Eiland verbringen. Wetterbedingt wurde ihr Antritt aber auf den 19. oder 20. März verschoben. Dann wird ein Kutter die 26-Jährige auf die Vogelinsel bringen.
«Vor der Einsamkeit habe ich keine Angst», sagt die künftige Vogelwartin. «Gespannt bin ich natürlich schon, wie ich damit zurecht komme.» Ganz neu ist die Erfahrung, auf einer kleinen Insel zu leben, für sie nicht. Sie schrieb ihre Diplomarbeit auf der Hamburger Hallig. Und auf der niedersächsischen Vogelinsel Mellum leistete sie mehrere Monate lang Naturschutzarbeit, allerdings war sie dort nicht ganz allein.
Regelmäßig sehen wird sie in diesem Sommer lediglich Inselversorger Axel Rohwedder. Er wird die Insel einmal pro Woche mit seinem Kutter ansteuern und Kronberg mit Trinkwasser, Lebensmitteln, Post und dem «aktuellen Klönschnack vom Festland» versorgen. Die künftige Vogelwartin hat in ihrem «riesigen Berg Gepäck» neben vielen warmen Klamotten auch persönliche Dinge wie ein Tagebuch. «Ich habe eine Internetverbindung, über die ich ganz normal E-Mails schreiben kann», sagt sie. Besuch ist auf der Insel erlaubt, allerdings immer nur ein Gast zur gleichen Zeit.
Die 26-Jährige wurde in Haan bei Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) geboren. 2003 ging sie zum Studieren nach Erlangen. Mittlerweile lebt sie in Nürnberg. Ihr Zuhause in Nürnberg tauscht die Naturschützerin bis Ende Oktober gegen eine Holzhütte ein. Die steht auf fünf Meter hohen Stelzen, um sie vor Hochwasser zu schützen.
Für die Geografin ist Trischen auch aus einem anderen Grund interessant: Denn die Insel ist in ständiger Bewegung. Pro Jahr bewegt sie sich 30 bis 35 Meter in Richtung Osten. Heute liegt die Insel schon zehn Kilometer östlich ihres Entstehungsortes. Geht der Prozess unverändert weiter, kommt Trischen in 400 Jahren am Deich an. «Um die Wanderung der Insel zu vermessen, werde ich sie mit einem GPS ablaufen», sagt Kronberg. Dadurch soll ein exakter Inselumriss erstellt werden.
Jedes Hochwasser spült am Weststrand der Insel Boden fort. Dafür wachsen am östlichen Rand Salzwiesen im Schutz aufgewehter Dünen ins Watt hinein. Dennoch hat die Insel in den vergangenen 100 Jahren drei Viertel ihrer ursprünglichen Größe eingebüßt. 1909 wurde sie per Erlass zur Seevogelfreistätte erklärt. Ab 1927 übernahm der Deutsche Bund für Vogelschutz, der Vorgänger des NABU, die Betreuung der Insel. Bereits seit 1932 wird jährlich ein Vogelwart entsandt.
Die Geografin wird in den kommenden Wochen bereits ab Sonnenaufgang die überfliegenden Zugvögel beobachten. «Um 7.00 Uhr finden die ersten Wetteraufzeichnungen statt. Der weitere Tagesverlauf ist von der Tide und der Jahreszeit abhängig», sagt sie. Neben einem Fernglas helfen ihr bei der Erfassung der Vogelmassen auch Zähluhren. «Für jeden Vogel klicke ich einmal und kann am Ende das Gesamtergebnis ablesen.» Dadurch ließen sich auch zwei Arten gleichzeitig zählen. Während der Flut rasten die Tiere dicht gedrängt auf ihren Ruheplätzen und können so leicht gezählt werden. Beispielsweise wurden am 5. Oktober vergangenen Jahres 153 Kormorane, 388 Eiderenten, 7157 Alpenstrandläufer und 4342 Austernfischer erfasst.
Während ihres Nordsee-Aufenthaltes werde sie ihren Freund wahrscheinlich am meisten vermissen, sagt die künftige Vogelwartin. Ihre Eltern seien anfänglich «nicht so begeistert» gewesen von ihren Plänen. «Dann haben sie aber gemerkt, wie ich mich auf den Inselaufenthalt freue und jetzt freuen sie sich mit mir.»
Trischen (ddp-nrd)
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